Nein hören

Ich hatte einen Freund per Mail angefragt, ob er bei einer Feier, die wir gemeinsam vorbereiteten, sich um die Nachspeise kümmern könnte. Seine Mailantwort war kurz und bündig: „Nein, das will ich nicht machen.“

Okay, die Welt ging nicht gleich unter, aber ich merkte in Laufe der nächsten Stunden, dass mir immer wieder Gedanken durch den Kopf gingen, wie „Der ist sauer, dass ich gefragt habe“, ja sogar „Der hält nicht mehr viel von mir!“, Gedanken der Ablehnung, oder letztlich „ Am besten ist, ich bereite die Feier alleine vor“, Trennungsgedanken. Vertrauen war am Zerbrechen.

Ich gestehe, dass es schon dauerte, bis ich an das „Verbindende Nein“ dachte: „Ich will mich durch diese Nein nicht trennen lassen. Ich will, dass sich unsere Beziehung dadurch sogar vertieft.“ „Und meine Anfragemail war ja auch ohne große Erklärungen, kann man auch als sehr fordernd verstehen."

Als mir das immer mehr klar wurde, bat ich ihn um ein Skype-Gespräch. Letztlich wurden zwei Gründe für sein Nein deutlich. Ein familärer Besuch hatte sich ungeplant angemeldet. Und er war unsicher, ob er für alle die passende Nachspeise auswählen würde. Das Gespräch half mir, wieder Vertrauen zurückzugewinnen und die Freiheit, mit ihm nach Alternativen zu suchen, denn ein Nein ist nicht eine starre Grenzen, sondern lebendig.

Siehe: lebendige Grenze

Ich konnte ihn auch darin annehmen und respektieren, dass es ihm schwer fällt, Fehler zu machen, wenn er nicht die passende Nachspeise auswählen würde.